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Ano IX | nº 6 | Julho/Dezembro 2008 | Publicação Semestral

Zusammenfassung

Vom BUCH zu den Büchern - oder: Über die Rolle der Sehnsucht in der Bildung eines Schriftstellers

Marcel Bénabou

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In meinem Beitrag möchte ich zeigen, wie es mir, nachdem ich lange Zeit durch die Faszination für das unmögliche BUCH gelähmt war, insbesondere dank meiner Begegnung mit dem Oulipo gelang, das Schreiben zu meistern, oder, anders gesagt: wie ich von der Sehnsucht nach dem erträumten BUCH dazu gelangen konnte, wirkliche Bücher zu schreiben, und wie aus dieser Sehnsucht selbst der Antrieb zum Schreiben kam.

Meine Faszination für das BUCH entspringt zwei Quellen. Die eine ist die zentrale Rolle, die das Buch in meiner Kindheit als Jude in Marokko spielte: stets mit dem Heiligen verknüpft, erschien es mir zugleich als Gefäß und Garantie meines Überlebens. Die zweite Quelle hat mit meinen literarischen Studien zu tun; sie beruht auf dem Gedanken Mallarmés, daß „alles auf der Welt existiert, um in ein Buch zu münden. “ Von diesen beiden Modellen verfolgt habe ich sehr schnell festgestellt, dass es mir unmöglich sein würde, ein Werk zu schaffen, das ihnen entsprechen hätte können, und stand davor, mein Schreibvorhaben aufzugeben.

Aber die Begegnung mit Perec und danach mit dem Oulipo haben mein Verhältnis zur Literatur und zur Sprache überhaupt tief verändert. Ich begriff etwas Grundlegendes: daß ich die Lähmung, die die Sehnsucht nach dem BUCH in mir ausgelöst hatte, auf keinen Fall durch den Rückgriff auf eine klassische romanhafte Geschichte überwinden konnte, denn diese würde nie erfüllen, was ich von ihr erwartete. Im Gegenteil: ich mußte mich auf die Suche nach ungewöhnlichen Formen machen, diese klassischen Strukturen verderben, indem ich mir Zwänge auferlegte. So konnte ich entschlossen dieses Problem der Unmöglichkeit angreifen und versuchen, es zu überwinden, indem ich gerade aus ihm das Thema des Buchs machte. Kurz gesagt wollte ich für das Mallarmésche Problem des unmöglichen BUCHS eine halb Mallarmésche, halb Proustsche Lösung finden, das heißt: ein Werk über den Wunsch, zu schreiben, und über die Schwierigkeit – oder gar die Unmöglichkeit –, zum erträumten Werk zu gelangen, entwerfen.

Dies begann 1986 mit Pourquoi je n’ai écrit aucun de mes livres, setzte sich 1992 mit Jette ce livre avant qu’il soit trop tard und 1995 mit Jacob, Menahem et Mimoun. Une épopée familiale fort; 2002 folgte Ecrire sur Tamara. Meine letzten Novellen, L’appentis revisité oder Résidence d’hiver setzen diese Serie ganz natürlich fort.

All diese Texte haben zumindest zwei Kennzeichen gemein:

1) Indem das erträumte BUCH zum Stoff des wirklichen Buchs wird, scheint in ihnen die Geschichte ihrer eigenen Unmöglichkeit erzählt zu werden.

2) Die Methode, nach der sie geschrieben werden konnten, ist die Suche nach Überresten.