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Ano IX | nº 6 | Julho/Dezembro 2008 | Publicação Semestral

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Grußwort

Frauke A. Kurbacher und Karin Wendt

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Liebe Reflektierende,

So wie es uns eine Freude war, die internationalen Teilnehmer der 4. Tagung der Forschungsreihe „Gebildet. Europa als Bildungsprozess“ zum Thema „Sehnsucht und der Europäische Traum / Nostalgie et le rêve européen“ als Leitung des Internationalen interdisziplinären Arbeitskreises für philosophische Reflexion zu begrüßen, so ist es uns eine eben solche Freude, nun diese genauso internationale Veröffentlichung mit einem Grußwort bedenken zu dürfen.

Die Begriffe „Sehnsucht“ und „nostalgie“ zeigen bereits in der bloß bilingualen Nebeneinanderstellung an, dass es sich hierbei um einen Sachverhalt und ein Phänomen handelt, das einerseits in vielen Sprachen und Kulturen vorkommt und doch zugleich aufgrund seines je so spezifischen kulturell differenten Verständnisses kaum übersetzbar ist. Die rahmenden Themen der Tagung, die Fragen nach ‚Bildung’ und ‚Europa’ oder dem ‚Europäischen’ scheinen auf den ersten Blick nur lose daran angebunden. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff „Sehnsucht“ sehr schnell mit der Epoche der Romantik konnotiert, die in der Tat ein deutscher ‚Exportschlager’ in Europa und insofern unter Umständen auch ein besonderes ‚europäisches’ Phänomen ist. Dies führte zu einiger Popularität, die die Differenziertheit dieser Epoche und auch des Begriffs der Sehnsucht oft vergessen ließ. In welchem Verhältnis steht aber so ein romantisch geprägter Begriff, wie differenziert er auch immer zu denken ist, zu den nicht eurozentristischen Fragen nach einer zeitgemäßen Bildung und einem aktuellen Europa?

Sehnsucht birgt eine umfassende und dynamische Zeitstruktur, die sowohl die Regression ins Vergangene, als auch die Progression ins Zukünftige beschreiben kann. Immer aber bleibt sie als Sehnsucht noch in diesen beiden dezentrierenden Bewegungen auf jene Gegenwart und Aktualität bezogen, der sie jederzeit zur Sprengkraft der Veränderung werden kann.

Diese Dynamiken in ihren philosophischen, ästhetischen und ebenso sozialkritischen Aspekten auszuloten, haben sich Teilnehmende aus sechs Ländern getroffen und in verschiedenen Medien (Präsentationen, Filme, Musik, Lesung, Performance, peripatetische Wanderungen) mit einem Furor getagt, der beinah alle Zeit zu einem ‚nunc stans’ werden ließ.

Frau Dr. Christiane Deussen und Frau Hedwig Sastre, die uns dafür den wunderbaren Rahmen in der Maison Heinrich-Heine gegeben haben, sei hiermit herzlich gedankt. Thomas Dworschak und Eduardo Brito Losso gilt unser Dank für ihre global ausgerichtete Tagungsorganisation und Leitung, den Teilnehmern für ihren Elan und dem Hausmeister für seinen Langmut bei beinah mitternächtlichen Sektionssitzungen.

Nicht zuletzt entsprach das Thema auch der Sehnsucht der IiAphR-Veranstalterinnen nach einer Tagung in Paris. Und in diesem Sinne ist auch all jenen unzähligen Unbekannten zu danken, die Paris zu einem Sehnsuchtsort par excellence haben werden lassen.

Frauke A. Kurbacher und Karin Wendt

Im Sommer 2008